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„Someday we will all die Snoopy“ „true but on all the other days we will not“

Charles M. Schulz, The Peanuts

Ja, Pohlmann, man kann von Glück sprechen. Du kannst es! Schreiben ist schwieriger, da fällt all das Unmittelbare weg, die Farbe der Stimme, des Blicks, das Zittern und Leuchten, aber ich versuchs:

Pohlmann wurde vor x Jahren mit einem Song berühmt, über den er als Künstler längst hinausgewachsen ist. Wenn jetzt Sommer wär vom 2006er Debut Zwischen Heimweh und Fernsucht ist sein Hotel California, immer noch gut, um die Tür zum Formatradio aufzutreten oder ein Zugabteilgespräch in Gang zu bringen, aber es hat wenig mit Ingo Pohlmann 2019 zu tun.

Er hat fünf Alben in der Tasche, Familie, aufgehört zu trinken und zu rauchen. Lindenbergs Songwritingformel “breit schreiben, nüchtern gegenlesen oder umgekehrt” ist seine nicht mehr.

Irgendwo ankommen, Rosen züchten und einen Adelstitel kaufen muss er deshalb noch lange nicht.

Blues ist eines der Schlüsselwörter, aber nicht mit Nachnamen Daniels oder Beam, ohne Beiwerk und Soli. Englisch blue, übersetzt: traurig aber auch die Farbe des wolkenlosen Himmels, ist hier mehr Grundgefühl als Musikrichtung. Es geht Pohlmann immer darum, den direktesten Ausdruck für seine Lieder, seine Texte zu finden und das ist mal Kill-Bill-Wüstenrock, mal sparsam instrumentiertem Folk oder eine akustische Blockparty-Soul a la G.Love. Ja, all das ist immer noch Pohlmann: der Rabauke, der dich liebt und das unter deinem Fenster solange und laut beteuert, bis die Nachbarn die Bullen rufen.

Pohlmann singt vom Glück, am Leben zu sein. Und dafür kann man ihm gar nicht genug danken.

( Francesco Wilking )